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Kokosfasern, Kokosmark, Kokosnusschalen: Reststoffe mit Potential

Der Anbau der Kokosnuss

Kokosnussplanzung mit Bananen darunterIm Gegensatz zu den Ölpalmen in Indonesien werden Kokospalmen in den süd(ost)asiatischen Hauptanbaugebieten nicht auf gerodeten Urwaldflächen in großen Monokulturen gepflanzt, sondern sie sind schon seit Jahrhunderten Bestandteil der bäuerlichen Kulturlandschaften und zum größten Teil in kleinbäuerlichem Besitz.

In Indien gibt es vielfältige Mischungen der Kokospalmen, z.B. mit Bananenstauden (siehe rechts), Guaven, Papaya, Gemüse und Rinderweiden darunter, oder mit Pfeffer, dem die Palmenstämme zum Ranken dienen. (Literatur dazu u.a.: Puri, S. and Panwar, P. (Hrsg.) 2007. Agroforestry systems and practices. New India Publishing Agency, New Delhi, 644 S.)

In Brasilien, dem Land mit der weltweit viertgrößten Kokosanbaufläche allerdings, wo Kokosnussplantagen heute als sehr lukrative Geldanlage angeboten werden, muss die Ausweitung der Produktion sehr kritisch gesehen werden. - Tatsache ist troz allem, dass die Kokosnussfasern als Abfallprodukt der Kopraproduktion heute nur zu etwa 25 Prozent als Faser-Rohstoff verwendet werden, vor allem in Indien und Sri Lanka. Sonst werden sie immerhin als Mulch oder energetisch genutzt oder einfach nur so verbrannt. Ehe man die weltweit immer knapperen Ackerflächen zum Anbau von Naturfasern einsetzt, erscheint es sinnvoller, ohnehin vorhandene Faserressourcen optimal zu nutzen.

Kokosfasern, ihre Aufbereitung und Nutzung

Kokosfasern umhüllen die eigentliche Kokosnuss (Steinfrucht) und haben den größten Volumenanteil an der Frucht, wie sie an der Kokospalme hängt. Sie dienen u.a. dazu, die reife Kokosnuss am Aufplatzen zu hindern, wenn sie auf den Boden fällt. Außerdem schützt die Faserhülle den Palmensamen vor den Unbilden des tropischen Klimas.

Faserhülle einer Kokosnuss vor der VerarbeitungDer erste Schritt bei der Verwertung der Kokosnuss, die wegen der Gewinnung ihres Fruchtfleisches (getrocknet: Kopra) oder des Kokoswassers angebaut wird, ist das Abtrennen der Faserhülle von der hölzernen inneren Nuss. Aus diesen Hüllen (siehe Foto links) werden dann die Fasern gewonnen. Da diese durch Pektin miteinander verklebt sind, muss dieses Bindemittel zunächst zerstört werden. Dies geschieht klassisch durch biologischen Abbau während einer mehrmonatigen Lagerung der Faserhüllen in Wasser (Meereslagunen oder Wasserbecken). In den heutigen Industriebetrieben werden die Hüllen zunächst maschinell zerrissen und die Rohfasern dann nur noch relativ kurz auf Haufen gelagert und dort befeuchtet. Anschließend werden die Fasern in einem drehbaren Sieb von den Pektinresten (und kurzen Fasern) getrennt. Dieser Siebrest wird Kokosmark (coco peat oder coco pith) genannt und kann für die Herstellung gartenbaulicher Substrate genutzt werden (siehe unten). Beide Bestandteile werden vor der weiteren Verarbeitung in der Sonne getrocknet.

Kokosfasern zeichnen sich durch eine besonders hohe Resistenz gegenüber Pilzbefall und durch sehr gute Festigkeits-, Wärme- und Schalldämmeigenschaften aus. Sie werden nicht nur in ihren Herkunftsländern traditionell zur Herstellung von Seilen, Fischernetzen, Matrazen, Besen usw. genutzt, sondern auch in den Industriestaaten schon seit Jahrzehnten als Dämmstoff (wo sie weitgehend durch billige Kunststoffe verdrängt wurden), für Fußbodenbeläge und Matten, als Geotextilien (Matten und Netze zu Bodenschutz) und als High-Tech-Werkstoff zum Bau von Sitzen für teure Autos. Ansonsten lassen sich Kokosfasern sowie Kokosnussschalen auch zur Herstellung von Plattenwerkstoffen u.v.a.m. nutzen (siehe wissenschaftliche Publikation als PDF).

coco peat blockKokosmark (coco peat oder coco pith), das Abfallprodukt der Faserreinigung, erfreut sich aktuell einer steigenden Nachfrage seitens der Blumenerde- und Substrathersteller vor allem in Niedersachsen. Dabei geht es um den Ersatz von Torf, der zum Schutz der Moore und des Klimas (CO2-Speicherung) nicht mehr abgebaut werden soll. Nach Auskunft von Fachleuten ist Kokosmark von seinen physikalischen (Luft- und Wasserkapazität, Gewicht) und chemischen Eigenschaften (Stickstofffestlegung, Nährstoffgehalt) dem Weißtorf von allen anderen Ersatzstoffen (z.B. Rindenhumus, Holzfaser, Grünkompost) am ähnlichsten. Lediglich der Ballastsalzgehalt kann problematisch sein und muss ggfs. durch Waschen reduziert werden. (Quelle: Poster-Sammlung der IPM-Lehrschau 2015 „Innovative Substrate“ 27. – 30. Januar 2015, IPM Essen) Kokosmark wird normalerweise in Blöcke gepresst (siehe Foto) und kann zur Verwendung in Wasser aufgequollen und nutzbar gemacht werden.

 

Hinweis: Dieser Artikel ist eine erweiterte und ins Deutsche übertragene Fassung einer wissenschaftlichen Publikation mit dem Titel "Coir -  Traditionally used fibres for new construction applications", die auf der "First International Conference on Bio-based Building Materials" (22.-24. Juni 2015) in Clermont-Ferrand (Frankreich) vorgetragen wird: PDF zum Download